Die Pfalz entdeckt man am besten zu Fuß

Waldweg mit moosbedeckten Felsen und Bäumen im grünen Sommerwald bei Sonnenlicht
Premiumwanderweg Rimbach-Steig im Wasgau, Pfälzerwald in der Südwestpfalz

Wer die Pfalz nur von der Durchfahrt auf der Autobahn kennt, hat eigentlich noch gar nichts gesehen. Erst wenn man von der A65 abfährt und die kleinen Straßen zwischen Neustadt und Bad Bergzabern erkundet, offenbart sich eine Region, die es geschafft hat, unter dem Massen-touristischen Radar zu bleiben. Ein Glück für alle, die Ruhe suchen, Nähe zur Natur oder sich aktiv durch die abwechslungsreiche Landschaft bewegen möchten.

Die deutsche Toskana, nur ohne die Menschenmassen

Der Vergleich mit der Toskana ist inzwischen fast schon ein Klischee, aber er trifft trotzdem den Kern. Die Pfalz ist Deutschlands zweitgrößtes Weinbaugebiet, und wer im Spätsommer durch die Weinstraße fährt, wird verzaubert sein. Sanfte Hügel, Rebzeilen bis zum Horizont, dazwischen kleine Winzerdörfer mit Fachwerkhäusern, die aussehen, als wären sie direkt aus einem Bilderbuch entsprungen. Der Unterschied zu Italien: Man muss sich hier nicht mit Reisebussen um den besten Fotospot streiten.

Die Deutsche Weinstraße selbst ist mit rund 85 Kilometern eine der ältesten Ferienstraßen Deutschlands. Radfahrer schätzen sie besonders, weil die Strecke größtenteils flach verläuft und trotzdem mit spektakulären Panoramablicken über die Rheinebene aufwartet. Wer lieber wandert, findet in den umliegenden Höhenzügen des Pfälzerwalds ausreichend Alternativen mit deutlich mehr Steigung.

Burgen, Ruinen und ein bisschen Mittelalter-Romantik

Kaum eine Region in Deutschland hat eine so hohe Dichte an Burgen und Burgruinen wie die Pfalz. Über 160 davon zählen Historiker in der Gegend, viele stammen aus dem Hochmittelalter und thronen bis heute auf den bewaldeten Kuppen des Pfälzerwalds. Die Trifels bei Annweiler gehört sicher zu den bekanntesten – hier soll Richard Löwenherz einst gefangen gehalten worden sein, eine Geschichte, die bis heute für Diskussionen unter Historikern sorgt, aber dem Ort seinen Mythos nicht nimmt.

Auch die Burg Berwartstein, eine der wenigen noch bewohnten Burgen Deutschlands, lohnt einen Abstecher. Sie liegt mitten im Wasgau, jenem südlichen Teil des Pfälzerwalds, der mit seinen bizarren Sandsteinformationen fast schon amerikanisch anmutet. Der Luftkurort Dahn ist von hier aus ein guter Ausgangspunkt für Tagestouren zu den umliegenden Felsen wie dem Teufelstisch, einem der meistfotografierten Naturdenkmäler der Pfalz.

Essen wie ein Pfälzer, nicht wie ein Tourist

Man kann über die Pfalz schreiben, ohne über das Essen zu schreiben – aber es wäre gelogen, das als vollständiges Bild zu verkaufen. Saumagen, Leberknödel und Dampfnudeln gehören zur Grundausstattung jeder pfälzischen Weinstube, und wer sich traut, wird meist belohnt. Deutlich unterschätzt wird dabei die pfälzische Küche der kleineren Winzerbetriebe, wo man abends bei einem Riesling oder Dornfelder direkt vom Hof sitzt und dazu eine Vesperplatte bekommt, die eher an ein kleines Festmahl erinnert als an einen schnellen Snack.

Wer im Herbst kommt, sollte unbedingt einen der zahllosen Winzerfeste besuchen. Fast jedes Dorf entlang der Weinstraße feiert sein eigenes, meist über mehrere Tage, mit Live-Musik, Ständen und viel zu viel gutem Wein. Der Deutsche Weinlesefestzug in Neustadt an der Weinstraße gilt als größtes Winzerfest der Welt und zieht jedes Jahr hunderttausende Besucher an.

Auch digital hat die Region ihre eigene Community

Interessant ist, dass die Pfalz längst nicht nur analog Besucher anzieht. In kleineren Städten wie Landau oder Kaiserslautern haben sich in den letzten Jahren aktive Gaming- und Esports-Communitys gebildet, die sich regelmäßig in lokalen Cafés und Gaming-Lounges treffen. Nicht wenige junge Pfälzer nutzen dabei Plattformen wie eldorado.gg, um Ingame-Währungen oder Accounts für Titel wie WoW Classic gold oder Fortnite zu handeln, bevor es am Wochenende wieder raus in die Weinberge oder auf eine der zahlreichen Wanderrouten geht. Diese Mischung aus digitaler Freizeitkultur und bodenständiger Weinregion mag auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken, passt aber überraschend gut zu einer Gegend, die sich seit jeher zwischen Tradition und Wandel bewegt.

Anreise und beste Reisezeit

Die Pfalz lässt sich am besten mit dem eigenen Auto erschließen, da viele der schönsten Orte abseits der Bahnstrecken liegen. Wer öffentlich unterwegs ist, kommt über Neustadt an der Weinstraße als zentralen Bahnhof gut in die Region. Von Frankfurt oder Karlsruhe aus ist man in etwa einer Stunde vor Ort. Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und Oktober, wobei September und Oktober wegen der Weinlese und der zahlreichen Feste besonders reizvoll sind. Wer es ruhiger mag, plant seinen Besuch besser für das Frühjahr, wenn die Mandelblüte die Region in ein rosa-weißes Blütenmeer verwandelt und die ersten warmen Tage zum Wandern einladen.

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