Warum Pendler aus dem Rhein-Main-Gebiet die Pfalz und Rheinhessen entdecken

Blick über die Weinberge der Südpfalz
Weinberglandschaft der Pfalz.

Wer in den letzten Jahren durch die Dörfer an der Deutschen Weinstraße oder im angrenzenden Rheinhessen gefahren ist, dem dürfte aufgefallen sein, dass sich etwas verändert hat. Vor den Häusern stehen öfter Autos mit Frankfurter, Wiesbadener oder Darmstädter Kennzeichen. In den Grundschulen sitzen mehr Kinder, deren Familien erst vor kurzem zugezogen sind. Und wenn man mit den Alteingesessenen redet, hört man immer wieder: Der Zuzug aus dem Rhein-Main-Gebiet ist spürbar.

Das Leben in der Pfalz hat für viele Menschen aus den Ballungsräumen einen neuen Reiz bekommen. Die Gründe dafür hängen eng mit den Veränderungen der letzten Jahre zusammen. Der folgende Artikel beschreibt, was Menschen aus den Ballungsräumen in die Weinregion zieht, welche Orte in der Pfalz besonders gefragt sind, und worauf man achten sollte, wenn man einen Umzug in Betracht zieht.

Was den Zuzug antreibt

Der wichtigste Faktor ist vermutlich die veränderte Arbeitswelt seit 2020. Als viele Unternehmen merkten, dass Homeoffice funktioniert, wurde die tägliche Pendelstrecke für einen Teil der Arbeitnehmer zur Nebensache. Wer nur noch zwei oder drei Tage pro Woche ins Büro muss, kann eine längere Bahnfahrt akzeptieren, die vorher undenkbar gewesen wäre.

Dazu kommt die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt. Frankfurt zählt zu den teuersten Städten Deutschlands. Wer Immobilien in der Pfalz sucht, findet deutlich niedrigere Preise. Nach Angaben von Immobilienportalen kostet ein Einfamilienhaus in Neustadt an der Weinstraße im Durchschnitt rund 3.000 Euro pro Quadratmeter (Stand: Ende 2025). In gefragten Frankfurter Lagen zahlt man oft das Doppelte oder mehr. Für eine Familie mit begrenztem Budget kann das bedeuten: Wo in der Großstadt eine Dreizimmerwohnung drin ist, reicht das gleiche Geld hier für ein Haus mit Garten.

Die Bahnverbindung macht die Region erreichbar. Von Neustadt an der Weinstraße fährt man mit dem ICE in etwa einer Stunde nach Frankfurt Hauptbahnhof, wobei die schnellste Verbindung bei rund 63 Minuten liegt. Zum Frankfurter Flughafen braucht man je nach Verbindung und Umstieg zwischen 55 und 75 Minuten. Die Taktung ist ordentlich: An Werktagen verkehren etwa 40 Verbindungen. Das ist vergleichbar mit dem, was viele Pendler aus dem Taunus oder dem Odenwald täglich auf sich nehmen.

Beliebte Wohnlagen in der Pfalz und Umgebung

Die Weinregion zwischen Pfalz und Rheinhessen ist groß, und die Unterschiede zwischen den Orten sind erheblich. Wer das erste Mal herfährt, sieht erstmal nur Weinberge und Fachwerk. Wer länger hinschaut, merkt: Deidesheim ist etwas anderes als Frankenthal, und Osthofen tickt anders als Bad Dürkheim.

Die klassischen Weinstraßen-Dörfer wie Deidesheim, Forst oder Wachenheim ziehen Menschen an, die das volle Programm wollen. Kopfsteinpflaster, Weingüter in jeder Gasse, im Herbst der Duft von Trauben in der Luft. Wer hier ein Haus kaufen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Für einen sanierten Winzerhof mit Innenhof legt man schnell eine halbe Million hin, oft mehr. Dafür bekommt man etwas, das sich mit Geld allein schwer beschreiben lässt.

Neustadt an der Weinstraße ist mit seinen gut 53.000 Einwohnern die einzige größere Stadt an der Weinstraße und so etwas wie das heimliche Zentrum der Region Pfalz. Hier gibt es alles, was man von einer Kleinstadt erwartet: Schulen, Krankenhaus, Einzelhandel, Restaurants, ein Kino, sogar ein bisschen Nachtleben. Wer das Wohnen in der Pfalz mit städtischer Infrastruktur verbinden will, landet oft hier.

Nördlich davon, jenseits von Grünstadt und Frankenthal, beginnt Rheinhessen. Die Landschaft wird offener und flacher, Hügel wellen sich zum Horizont, bedeckt von Weinreben. Orte wie Osthofen, Westhofen, Bechtheim oder Flörsheim-Dalsheim sind weniger bekannt als ihre Nachbarn an der Weinstraße, stehen ihnen in Sachen Weinqualität aber nicht nach. Rheinhessen ist mit rund 26.000 Hektar Rebfläche das größte deutsche Weinanbaugebiet.

Für Immobilienkäufer ist der Unterschied relevant: Die Preise in Rheinhessen liegen oft unter denen der prominenten Weinstraßen-Dörfer. Wer flexibel ist bei der Ortswahl, findet hier teilweise mehr Haus fürs Geld.

Was man über den Immobilienmarkt wissen sollte

Wer aus einer Großstadt kommt und zum ersten Mal die Angebote durchschaut, erlebt meistens einen kleinen Schock. Plötzlich scheint vieles möglich: Häuser mit Garten, sanierte Altbauten mit Gewölbekellern, manchmal sogar ehemalige Weingüter. Das Gefühl, dass hier alles billiger ist, muss man allerdings relativieren.

Die Region hat in den letzten Jahren einen deutlichen Preisanstieg erlebt, gerade weil mehr Menschen aus den Ballungsräumen zugezogen sind. Ein freistehendes Einfamilienhaus mit 140 Quadratmetern Wohnfläche liegt in den meisten Orten zwischen 350.000 und 500.000 Euro, je nach Zustand und Lage. Sanierungsbedürftige Objekte gibt es günstiger, aber dann kommen Umbaukosten und oft lange Wartezeiten auf Handwerker hinzu.

Die begehrten Lagen an der Weinstraße selbst, besonders zwischen Deidesheim und Neustadt, sind mittlerweile fast so teuer wie mancher Frankfurter Vorort. Wer sparen will, schaut in die zweite Reihe: Orte abseits der touristischen Hauptachse oder eben in Rheinhessen. Wer sich bei der Suche nach Immobilien in Pfalz und Rheinhessen unsicher ist, kann sich an regionale Makler wenden, die den Markt vor Ort kennen.

Checkliste: Worauf man vor dem Kauf achten sollte

Bevor man sich in ein Haus verliebt, lohnt es sich, ein paar Punkte systematisch zu prüfen. Die folgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, deckt aber die häufigsten Stolpersteine ab:

Die Verkehrsanbindung im Detail: Nicht jeder Ort liegt gleich günstig zum Bahnhof. Manche Dörfer sind nur mit dem Auto erreichbar. Wer pendeln will, sollte die tatsächliche Tür-zu-Tür-Zeit realistisch kalkulieren, inklusive Fahrt zum Bahnhof und Puffer für Verspätungen.

Die Internetverbindung: Glasfaserausbau ist in der Region unterschiedlich weit fortgeschritten. Wer im Homeoffice arbeitet und auf stabile Verbindungen angewiesen ist, sollte vor dem Kauf prüfen, was am konkreten Standort verfügbar ist.

Die Versorgungslage: Kinderärzte, die noch Patienten aufnehmen, sind in ländlichen Regionen oft schwer zu finden. Das gilt auch für Kita-Plätze. Wer mit kleinen Kindern umzieht, sollte sich vorher erkundigen, wie die Situation vor Ort aussieht.

Der Zustand der Immobilie: Viele Häuser in der Region sind Altbauten. Denkmalschutz kann Umbauten einschränken und verteuern. Energetische Sanierung ist bei älteren Gebäuden oft aufwendiger als gedacht. Ein Gutachter kann helfen, versteckte Kosten zu identifizieren. Einen ersten Überblick über die Nebenkosten beim Immobilienkauf sollte man ebenfalls einplanen.

Die Lage im wörtlichen Sinn: Manche Orte in der Rheinebene liegen in hochwassergefährdeten Gebieten. Ein Blick in die Hochwassergefahrenkarten des Landes Rheinland-Pfalz ist ratsam.

Der Alltag beim Leben in der Pfalz

Die Pfalz als Wohnregion ist zweifellos eine schöne Gegend, darüber muss man nicht viele Worte verlieren. Die Wanderwege beginnen am Ortsrand, die Burgruinen thronen auf den Hügeln, und im Herbst verwandeln sich die Weinberge in ein Meer aus Gold und Rot. Wer Ausflugsziele mit Kindern sucht, findet reichlich Auswahl.

Die Infrastruktur ist ein anderes Thema. In Neustadt oder Bad Dürkheim gibt es Supermärkte, Fachärzte, weiterführende Schulen, Sportvereine. In den kleineren Dörfern sieht das anders aus. Dort braucht man ein Auto für fast alles: Arbeit, Einkauf, Sportverein der Kinder. Der Busverkehr auf dem Land ist überschaubar.

Das Dorfleben hat seine eigenen Regeln. Wer aus der Anonymität einer Großstadt kommt, muss sich daran gewöhnen, dass hier die Leute einander kennen. Das kann ein Vorteil sein, wenn man Anschluss sucht. Es bedeutet aber auch, dass die Dorfgemeinschaft Beteiligung erwartet: bei der Kerwe, im Verein, beim Sommerfest. Wer sich komplett raushält, wird nicht ausgegrenzt, aber auch nicht wirklich Teil des Ortes.

Die Küche in der Pfalz und in Rheinhessen ist stark regional geprägt, aber längst nicht auf traditionelle Gerichte beschränkt. In beiden Weinregionen hat sich eine vielfältige Gastronomieszene entwickelt, die von bodenständigen Weinstuben über moderne Landgasthöfe bis hin zu anspruchsvollen Restaurants reicht. Wie in vielen Weinbaugebieten weltweit ist gutes Essen hier eng mit regionalen Produkten und Wein verbunden. Gleichzeitig finden sich in den größeren Orten und Städten ebenso internationale Küchen, von mediterran bis asiatisch. Wer Wert auf kulinarische Abwechslung legt, muss sie in der Pfalz und in Rheinhessen nicht suchen, sondern nur wissen, wo.

Was Großstädter vermissen

Es wäre unehrlich, so zu tun, als gäbe es keinen Preis zu zahlen. Menschen, die den Schritt on der Stadt aufs Land gemacht haben, erzählen offen darüber.

Das Kulturangebot ist begrenzt. Es gibt Theater und Konzerte, aber wer gewohnt war, spontan in eine Ausstellung zu gehen oder zwischen vielen Kinos zu wählen, muss seine Erwartungen anpassen. Mannheim und Karlsruhe sind erreichbar, aber eben doch eine Zugfahrt entfernt.

Das Tempo ist ein anderes. Dinge dauern manchmal länger, weil weniger Wettbewerb herrscht. Handwerker sind oft auf Monate ausgebucht. Behördengänge können sich hinziehen. Manche empfinden das nach einer Weile als wohltuend, andere vermissen die Effizienz der Stadt.

Auch das Pendeln kann zermürben. Eine Stunde Bahnfahrt klingt akzeptabel, aber wenn Verspätungen dazukommen und man dreimal pro Woche fährt, summiert sich das. Wer ehrlich rechnet, sollte auch schlechte Tage einkalkulieren.

Für wen der Umzug Sinn ergibt

Nach allem, was hier steht, bleibt die Frage: Für wen lohnt sich der Schritt? Die Antwort hängt von der persönlichen Situation ab.

Gut funktioniert der Umzug oft für Familien, die Platz brauchen und den Garten höher bewerten als das Nachtleben. Für Menschen, die nur noch teilweise ins Büro müssen und die Pendelzeit gegen Wohnqualität eintauschen können. Für Paare, deren Kinder aus dem Haus sind und die sich fragen, warum sie noch Großstadtmiete zahlen.

Weniger gut passt die Region für Menschen, die täglich ins Büro müssen. Für Menschen, denen das kulturelle Angebot einer Großstadt unverzichtbar ist. Und für Menschen, die sich ein Dorfleben wünschen, aber erwarten, dass man sie in Ruhe lässt.

Wer konkret über einen Immobilienkauf in der Pfalz oder im angrenzenden Rheinhessen nachdenkt, sollte sich die verschiedenen Teilregionen genau anschauen. Ein Immobilienmakler aus der Region kann dabei helfen, die Unterschiede zwischen den Orten einzuordnen und passende Objekte zu finden.

Am Ende hilft nur eins: herkommen und selbst schauen. Ein Wochenende in der Gegend verbringen, durch die Orte fahren, in einer Straußwirtschaft sitzen, mit den Leuten reden. Die Weinregion ist kein Geheimtipp mehr, aber auch kein Paradies für jeden. Wer das vorher herausfindet, erspart sich später Enttäuschungen.

Über den Autor
Dieser Gastbeitrag stammt vom Team des Maklerbüros MHR aus Osthofen in Rheinhessen. Das Unternehmen ist seit über 47 Jahren in der Region tätig und begleitet Immobilientransaktionen zwischen Alzey, Worms und der Bergstraße.

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