Wer im südlichen Pfälzerwald mit Karte oder App unterwegs ist, stößt zwischen Birkenhördt, Silz und Blankenborn immer wieder auf die Bezeichnung „Abtswald“. Doch was steckt hinter diesem Namen? Die Vermutung einer Verbindung zum Kloster liegt zwar nahe, doch die Spuren sind spärlich. Historische Quellen sind rar, sodass die Geschichte des Abtswaldes lange Zeit nur bruchstückhaft greifbar war.
Heimatkunde mit Leidenschaft
Aus Interesse an der Heimatkunde hat sich Werner Bollinger aus Birkenhördt intensiv mit dem Thema beschäftigt und das Projekt „Abtswald“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Förster Gerhard Hoffmann vom Forstamt Annweiler sammelte er Fakten und Hintergründe, die nun in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Birkenhördt und den Landesforsten Rheinland-Pfalz auf vier neuen Info-Tafeln vorgestellt werden. Besucherinnen und Besucher finden sie an markanten Punkten wie dem Abtskopf, dem Panoramablick Blankenborn, der Silzer Linde und der Friedenskapelle Birkenhördt.
Lage und Ausdehnung
Der Abtswald umfasst heute 531,63 Hektar zusammenhängende Waldfläche im südöstlichen Pfälzerwald. Er erstreckt sich über die Gemarkungen von Silz (315,20 ha), Birkenhördt (216,38 ha) und zu einem kleinen Teil auch Erlenbach-Lauterschwan (0,05 ha). Seine westlichen Ausläufer reichen bis an die Grenze zur Südwestpfalz.
Historische Hintergründe
Einst gehörte der Wald zur Benediktinerabtei Klingenmünster und war vermutlich dem sogenannten „Abtsgut“ zugeordnet. Laut dem Pfälzer Schriftsteller August Becker soll bereits König Dagobert den Abtswald an die Abtei geschenkt haben. Belege dazu gingen jedoch im Jahr 840 bei einem Brand des Klosters verloren. Als Gründungsjahr des Klosters gilt 626.
Die höchste Erhebung im Abtswald ist der Abtskopf mit 486,6 Metern Höhe. Dort findet man auch den Abtsstein. Zahlreiche Grenzsteine mit Abtsstab, die aus der Zeit zwischen 1599 und 1779 stammen, markieren bis heute die einstige Herrschaft des Klosters.
Von Klosterbesitz zu Staatswald
1567 ging der Abtswald im Zuge der Säkularisierung in weltliche Hände über und wurde später von verschiedenen Herrschaften verwaltet – unter anderem vom Kurfürsten der Pfalz, vom französischen Departement Donnersberg sowie kurzzeitig von der österreichischen Ziviladministration. Ab 1816 gehörte das Gebiet zur Königlich Bayerischen Staatsforstverwaltung, seit 1947 ist es Staatswald des Landes Rheinland-Pfalz. Heute betreut ihn das Forstamt Annweiler als Distrikt XV.
Bedeutung für die Bevölkerung
Für die Menschen in Birkenhördt, Silz und Blankenborn war der Abtswald über Jahrhunderte hinweg eine lebenswichtige Quelle für Bau- und Brennholz. Doch die Nutzungsrechte führten oft zu Konflikten mit den jeweiligen Obrigkeiten. 1848 stellte die königlich bayerische Regierung klar, dass den Birkenhördtern im Abtswald keine Rechte mehr zustünden – illegale Holzernte wurde streng bestraft.
Aussichtspunkte im Abtswald

Wer den Abtswald erwandert, sollte unbedingt einen Abstecher zur Friedenskapelle Birkenhördt machen. Von hier eröffnet sich eine herrliche Panoramaaussicht über den Pfälzerwald und die umliegenden Dörfer – ein Ort der Ruhe und Besinnung, der zugleich ein beliebtes Ziel für Wanderungen ist.
Nicht weniger lohnenswert ist der benachbarte Hüttenberg. Dort laden Panoramabänke zum Verweilen ein, und mit dem sogenannten Niveaustein findet sich ein spannendes historisches Zeugnis: Er erinnert an die Zeit der ersten Grundsteuererhebung durch das Bayerische Königshaus und dokumentiert ein Stück Vermessungsgeschichte. Gemeinsam mit den Info-Tafeln und den markanten Rittersteinen sind diese Aussichtspunkte ideale Stationen beim Wandern in Birkenhördt.
Wandern im Abtswald – Ausflugstipp für Natur- und Geschichtsliebhabende
Die abwechslungsreiche Landschaft des Abtswaldes bietet ideale Voraussetzungen für einen Ausflug zu Fuß. Wanderwege führen durch stille Waldpassagen, vorbei an historischen Steinen und zu herrlichen Aussichtspunkten. Besonders lohnenswert ist der Aufstieg zum Abtskopf (486,6 m) mit seinem Abtsstein.
Rittersteine und Orientierungspunkte
Neben Grenz- und Abtssteinen finden sich im Abtswald auch mehrere Rittersteine. Diese markanten Sandsteinfindlinge erinnern an geschichtsträchtige Orte im Pfälzerwald. Sie gehen auf eine Initiative des Pfälzerwald-Vereins zurück, die ab 1910 umgesetzt wurde. Im Abtswald sind unter anderem die Rittersteine Katzeneiche (Nr. 206), Silzer Linde (Nr. 34) sowie Altes (Nr. 32) und Neues Landlöchel (Nr. 31) zu entdecken.
Aktuelle Entwicklung
Erst 2023 wurde der Grenzverlauf im Bereich der Friedenskapelle nach einem Geländetausch zwischen der Ortsgemeinde Birkenhördt und der Forstverwaltung leicht verändert.
Eindrücke und Impressionen des Abtswald bei Birkenhördt
Bildquellen
Werner Bollinger




